❸ Aus Neu-Moorhausen wird Hemmelsberg

Noch vor dem Ersten Weltkrieg etablieren sich für die zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Teile Moorhausens die Bezeichnungen Altmoorhausen und Neu-Moorhausen. Letzteres ein Begriff, dem die Neu-Moorhauser in den 1920er Jahren zunehmend ablehnend gegenüberstehen. Signalisiert er doch, dass ihr Dorf immer noch als neue Kolonie angesehen wird, was bei Kaufgeschäften oder im Falle von Kreditgesuchen durchaus mit Nachteilen verbunden sein kann. Deshalb und weil es im Postverkehr immer wieder Verwechslungen gibt, stellen sie im November 1927 über den Gemeinderat in Hude das Gesuch, ihre Siedlung in Hemmelsberg umzubenennen – abgeleitet vom historischen Namen eines sich innerorts erhebenden Sandbergs, der aber zu jener Zeit bereits größtenteils für den Wegebau abgetragen ist.

Nach anfänglicher Ablehnung gibt der Freistaat Oldenburg dem Wunsch 1930 statt. Seither sind beide Ortschaften behördlich sauber voneinander getrennt. Dessen ungeachtet bleiben die Bewohner der beiden Dörfer aber auch in den kommenden Jahrzehnten eng miteinander verbunden. Nicht nur über die gemeinsame Vergangenheit, sondern auch über ortsteilübergreifende Institutionen wie den 1897 gegründeten Schützenverein Hemmelsberg-Altmoorhausen. Er hat immerhin bis 2022 Bestand und feiert in den 125 Jahren seines Bestehens bei Schieß-Wettbewerben so manchen Erfolg.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und der von ihnen entfesselte Zweite Weltkrieg bringen auch für Hemmelsberg massive Einschnitte mit sich. Wie überall im Land gibt es zahlreiche Kriegsopfer sowie diverse Vertriebenen-Familien, die nach 1945 vor Ort vorübergehend oder sogar auf Dauer eine neue Bleibe finden. In der Landwirtschaft setzt nach einem kurzen Aufschwung in den 50er Jahren durch den sich Anfang der 70er Jahre beschleunigenden Strukturwandel eine massive Bereinigung ein: Ende 2024 existieren in Hemmelsberg nur noch drei landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Mit dem zuletzt von Rosi Strehler betriebenen „Hemmelsberger Schützenhof“ schließt Ende 2018 auch die einzig noch verbliebene, durch die Annahme von Pferdewetten überregional bekannt gewordene Gastwirtschaft des Dorfes.

Mag sich die Entwicklung in den genannten Punkten auch kaum von der in den Nachbardörfern unterscheiden – das Vereinsleben ist nach wie vor sehr lebendig. Dafür sorgt schon der 2001 an den Start gegangene Bürgerverein Altmoorhausen-Hemmelsberg, in dessen Reihen Mitglieder aus beiden Teilen des einstigen Moorhausens einmal mehr an einem Strang ziehen und Jahr für Jahr ein buntes Programm ausarbeiten.