Bernhard Karl Wiese – Biographie

Bernhard Karl Wiese wird am 3. Mai 1920 als zweites oder drittes Kind von Karl Wiese und Berta Wiese auf dem elterlichen Hof in Hemmelsberg (heute: Walter Wiese) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Magda Barkemeyer, der Zwillingsbruder von Alwine Niehaus und der ältere Bruder von Helmut Wiese.

Vier Tage nach Bernhard Karls Geburt marschieren mit Sowjetrussland im Krieg stehende Truppen der Polnischen Republik in die zuvor von der Roten Armee gehaltene Stadt Kiew ein. Der polnische Oberbefehlshaber Józef Piłsudski verfolgt mit seiner am 25. April 1920 gestarteten Offensive das Ziel, einen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichenden Puffergürtel zwischen den beiden Ländern zu errichten. Zu Piłsudskis wichtigsten Verbündeten gehört dabei die im Januar 1918 ausgerufene Ukrainische Volksrepublik, deren Regierung für einen eigenständigen ukrainischen Nationalstaat kämpft.

Schon am 15. Mai 1920 startet die Rote Armee eine Gegenoffensive. Knapp vier Wochen später müssen sich die polnisch-ukrainischen Verbände daraufhin wieder aus Kiew zurückziehen. Mitte August 1920 stehen dann russische Truppen vor der polnischen Hauptstadt Warschau und drohen ihrerseits mit einer Einnahme. Entgegen allen Erwartungen gelingt Piłsudski jedoch ein Befreiungsschlag: Er zwingt den russischen Oberbefehlshaber Michail Tuchatschewski zu einem unorganisierten Rückzug nach Osten über die Memel und fügt dem zusätzlich in einen Bürgerkrieg verwickelten Gegner in den folgenden Monaten weitere Niederlagen zu.

Der Krieg endet schließlich mit dem am 18. März 1921 geschlossenen Friedensvertrag von Riga. Polen erlangt dadurch einen erheblichen Gebietszuwachs – unter anderem auf Kosten der verbündeten Ukraine, die einen Teil ihres ursprünglich beanspruchten Staatsgebiets an den westlichen Nachbarn abtreten muss. Der größte Teil des Landes bleibt jedoch als Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Teil des russischen Herrschaftsbereichs. Sie gehört am 30. Dezember 1922 zu den Gründungsmitgliedern der Sowjetunion.

Vom erfolglosen Ringen der Ukraine um Selbstbestimmung bekommt Bernhard Karl in Hemmelsberg ebenso wenig mit wie von den politischen und wirtschaftlichen Krisen, die Deutschland nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg erschüttern. Er stirbt bereits am 16. November 1920 an im örtlichen Kirchenbuch nicht näher beschriebenen Krämpfen und wird vier Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude beerdigt.