Diedrich Hermann Mahlstedt wird am 23. Februar 1885 als zweites Kind von Hinrich Mahlstedt und Helene Mahlstedt in Hemmelsberg geboren. Er ist der jüngere Bruder von Anna Heinen und der ältere Bruder von Helene Rohde.
Zwei Tage vor Diedrichs Geburt weiht US-Präsident Chester Alan Arthur in Washington das Washington Monument ein, einen riesigen Obelisken aus Naturstein, Granit und Marmor. Errichtet zu Ehren des ersten US-Präsidenten George Washington, ragt das von innen begehbare Bauwerk 169 Meter in den Himmel und löst damit den Kölner Dom als höchstes Gebäude der Welt ab. Die Spitze der Pyramide ist Teil eines Blitzableiter-Systems und besteht aus knapp drei Kilogramm reinem Aluminium, einem zur damaligen Zeit sehr teuren Werkstoff. Offiziellen Quellen zufolge belaufen sich die Kosten für das Monument bis zur endgültigen Fertigstellung auf knapp 1,4 Millionen Dollar, was einem heutigen Geldwert von etwa 350 Millionen Dollar entspricht.
Erste Überlegungen, George Washington mit einem Denkmal zu ehren, gibt es bereits zu dessen Lebzeiten. Doch die Finanzierung bleibt lange Zeit ungeklärt, und über eine mögliche Gestaltung reden sich Politiker über mehrere Legislaturperioden hinweg die Köpfe heiß. Bewegung in die Sache kommt erst 1833, als sich anlässlich Washingtons 100. Geburtstag im Jahr zuvor die Washington National Monument Society gründet. Das Ziel der Initiatoren, den Bau ausschließlich über private Spenden zu finanzieren, bleibt jedoch lange Zeit in weiter Ferne: Bis 1836 kommen gerade einmal 28.000 Dollar zusammen. Deshalb fällt 1848 der Beschluss, zunächst einmal das Fundament zu bauen und danach gezielt bei einzelnen Staaten, Städten und Organisationen um Sach- oder Geldspenden zu werben.
Tatsächlich trifft bald aus der ganzen Welt Material auf der Baustelle ein – unter anderem auch eine von Papst Pius IX. gespendete Marmorplatte. Dies ruft jedoch den entschiedenen Widerstand der anti-katholischen Know-Nothing Party hervor. Im März 1854 rauben einige ihrer Anhänger die Platte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion und versenken sie im Potomac River. Das dämpft die weitere Spendenbereitschaft, und der Sezessionskrieg bringt den Bau dann für viele Jahre vollends zum Erliegen. Erst 1876, zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, springt der amerikanische Staat ein und übernimmt die weitere Finanzierung.
Obwohl offiziell eingeweiht, ist das Washington Monument im Februar 1885 keineswegs fertiggestellt. Es fehlen noch wesentliche Teile des Innenausbaus wie eine verkehrssichere Treppe und ein dampfbetriebener Aufzug. Für den Publikumsverkehr freigegeben wird das Denkmal deshalb erst am 9. Oktober 1888. Danach entwickelt es sich rasch zur Touristen-Attraktion. Bis Ende 1889 zählt die Verwaltung knapp 122.000 Besucher, im Folgejahr sind es bereits mehr als 175.000 Besucher. Seinen Titel als höchstes Gebäude der Welt hat das Monument zu diesem Zeitpunkt aber bereits verloren: an den 312 Meter hohen, 1889 erbauten Eiffelturm in Paris.
169 Meter, 312 Meter – mit Gebäuden derartigen Ausmaßes kann Diedrichs Heimat, das Großherzogtum Oldenburg, selbstredend nicht mithalten. Immerhin: Der Hauptturm der 1887 in ihrer heutigen äußeren Form fertiggestellten Lambertikirche misst 86 Meter und ist im Umland der Residenzstadt bei klarem Wetter gut zu sehen. Vermutlich auch von der Spitze des Hemmelsbergs aus. Diese natürliche Erhebung, die Diedrichs damals noch zusammen mit Altmoorhausen schlicht „Moorhausen“ genanntem Heimatdorf 1930 seinen Namen gibt, liegt am Ende des 19. Jahrhunderts noch gut 20 Meter über Normallnull.
Wie es der Name „Moorhausen“ vermuten lässt, sind Diedrichs Eltern Moorbauern, sie bewirtschaften einen im Jahre 1800 von seinem Urgroßvater Johann Harm Mahlstede gegründeten Hof am heutigen Hartekamp. Die unterschiedliche Schreibweise im Nachnamen (von „de“ zu „dt“) setzt sich übrigens erst Anfang des 20. Jahrhunderts durch: Der obligatorische Eintrag im Taufregister der Kirchengemeinde Hude erfolgt sowohl bei Diedrich als auch bei den beiden Schwestern noch unter dem ursprünglichen Namen Mahlstede.
Von seinem Elternhaus aus besucht Diedrich sehr wahrscheinlich von Frühjahr 1891 an die rund drei Kilometer entfernt gelegene Volksschule Moorhausen. Dort gehören unter anderem Johann Claußen, Johann Friedrich Neels, Wilhelm Schmerdtmann und Karl Friedrich Wiese zu seinen in etwa gleichaltrigen Mitschülern. Nach Schulabschluss und Konfirmation bleibt Diedrich dann vermutlich auf dem elterlichen Hof – als einziger Sohn ist er als Erbe gesetzt. Unterbrochen wird diese Tätigkeit sehr wahrscheinlich durch den obligatorischen Militärdienst, der im Deutschen Reich je nach Truppengattung zwei oder drei Jahre dauert und eine bis zu fünf Jahre dauernde Reservepflicht nach sich zieht.
Im September 1907 heiratet Diedrichs ältere Schwester Anna Johann Hinrich Heinen aus Wraggenort. Die jüngere Schwester Helene wiederum steht im August 1913 mit Adolf Rohde aus Tweelbäke vor dem Traualtar. Diedrich selbst bleibt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 unverheiratet und ist allem Anschein nach auch weder verlobt noch fest liiert. Unmittelbar darauf wird er zur kaiserlichen Armee eingezogen (oder meldet sich freiwillig, die Abgrenzung ist rückblickend häufig schwierig) und verbringt die folgenden Jahre von wenigen Ausnahmen abgesehen fernab von Hemmelsberg. Urlaub beantragt er vermutlich bevorzugt zur Erntezeit, ähnlich wie Schwager Adolf Rohde: Dessen Anlaufpunkt ist von Herbst 1914 an ebenfalls der Mahlstedt-Hof, weil Ehefrau Helene nach seiner Einberufung mit der im November 1913 geborenen Tochter Klara von Osternburg zurück zu ihren Eltern gezogen ist.
Auf dem Hemmelsberger Hof wird im September 1915 Diedrichs Neffe Heinrich geboren, im Januar 1918 stirbt dort im Alter von 82 Jahren Vater Hinrich. An welchem Frontabschnitt Diedrich sich zu diesem Zeitpunkt aufhält, liegt heute im Dunkeln. Da der Krieg im Osten aber faktisch schon drei Monate vor dem im März geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit einem Waffenstillstand endet, hat er vermutlich an der Westfront bereits jene Position inne, die in seiner späteren Todesanzeige genannt ist: die eines Fahrers in einem Fußartillerie-Regiment. In dieser Funktion ist er für den Transport von Geschützen verantwortlich und sorgt für regelmäßigen Munitions-Nachschub. Oft unter Einsatz seines Lebens, denn natürlich versucht die Gegenseite, diesen Nachschub zu unterbinden und nimmt die Transportwege gezielt unter Beschuss.
Dem entsprechenden Eintrag im Kirchenbuch der Gemeinde Hude zufolge stirbt Diedrich am 9. Juni 1918 bei der nordfranzösischen Ortschaft Montdidier – sehr wahrscheinlich als Teilnehmer der im Rahmen der deutschen Frühjahrsoffensive an diesem Tag beginnenden Operation Gneisenau. Wo er anschließend beerdigt wird, ist anders als bei seinem Schwager nicht bekannt (Adolf Rhode fällt nur einen Tag später ganz in der Nähe und ruht auf der Kriegsgräberstätte in Dompierre).