Tönjes Hinrich Oetken – Biographie

Tönjes Hinrich Oetken wird am 9. November 1826 als sechstes Kind von Dierk Oetken und Grete Oetken auf dem elterlichen Hof in Hemmelsberg (heute: Hubert und Erika Neels) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Johann Dierk Oetken, Johann Friedrich Oetken, Johann Oetken und Gesche Margarete Claußen. Eine weitere, am 2. Dezember 1818 geborene Schwester stirbt noch am gleichen Tag und bleibt deshalb namenlos.

Drei Tage nach Tönjes Hinrichs Geburt besiegelt der Teilungsvertrag zu Hildburghausen die Auflösung des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg. Ein Ende, das sich bereits Jahre zuvor abzeichnet: Herzog August, der das Land bis 1822 regiert, hinterlässt bei seinem Tod lediglich eine Tochter, Luise, die aber nicht thronfolgeberechtigt ist. Sein Bruder und Nachfolger Friedrich IV. wiederum übernimmt die Regierungsgeschäfte als schwerkranker Mann. Da er keine Kinder hat, ist das Schicksal des im heutigen Thüringen liegenden Fürstentums Gegenstand langwieriger diplomatischer Vorverhandlungen. Schon zu Lebzeiten der Brüder machen die Verwandten aus den anderen ernestinischen Linien – die Herzöge von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Hildburghausen – ihre Ansprüche geltend.

Als Friedrich im Februar 1825 stirbt, wird die Krise akut. Dennoch dauert es noch mehr als anderthalb Jahre, bis unter Vermittlung des sächsischen Königs Friedrich August I. ein tragfähiger Kompromiss zustande kommt. Dabei wird das bisher vereinte Doppel-Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg dauerhaft getrennt. Der Gothaer Landesteil fällt an Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Als Ausgleich tritt der Ehemann von Augusts Tochter Luise sein angestammtes Fürstentum Saalfeld an Sachsen-Meiningen ab. Aus dem verbleibenden Besitz und dem Neuzugang formt er das neue Doppel-Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.

Der Altenburger Teil des Erbes hingegen wird zur neuen Heimat für Herzog Friedrich von Sachsen-Hildburghausen. Dieser räumt seine bisherige Residenz und zieht mitsamt Hofstaat nach Osten, um dort das eigenständige Herzogtum Sachsen-Altenburg zu gründen. Sein verlassenes Kernland rund um Hildburghausen fällt ebenfalls an Sachsen-Meiningen. Durch diese Rochade geht Sachsen-Meiningens Herrscher Bernhard II. flächenmäßig als größter Gewinner aus den Verhandlungen hervor. Bernhards Einfluss im Deutschen Bund bleibt dennoch bescheiden: Obwohl sich das von ihm kontrollierte Gebiet mehr als verdoppelt hat, gehört es mit einer Fläche von rund 2.500 Quadratkilometern noch immer zu den kleinsten Mitgliedsstaaten. Machtpolitisch läuft ihm zudem in den folgenden Jahrzehnten das noch kleinere Sachsen-Coburg und Gotha den Rang ab: Als Leopold I. besteigt ein Mitglied des dortigen Herrscherhauses 1831 den Thron des neugeschaffenen Königreichs Belgien, und durch die 1840 gefeierte Hochzeit seines Sohnes Albert mit Queen Victoria wird Ernst I. zum Ahnherrn der britischen Königsfamilie.

Ähnlich eng verbunden mit dem europäischen Hochadel ist auch Peter Friedrich Ludwig, Großherzog von Oldenburg. Mit Nikolaus I. regiert beispielsweise ein Neffe des Landesherrn von Tönjes Hinrich und seiner Familie das Kaiserreich Russland. Das bringt dem Großherzogtum handfeste politische Vorteile, mögen diese auch im erst seit wenigen Jahrzehnten besiedelten Moor von Hemmelsberg nicht unmittelbar greifbar sein. Tönjes Hinrichs Eltern sind typische Vertreter der ersten Siedler-Generation: Vater Dierk, im Nebenerwerb Schuster, stammt aus dem benachbarten Altmoorhausen, Mutter Grete aus Wüsting. Ihren Hof an der heutigen Moorhauser Straße begründet haben sie 1818, also gerade einmal acht Jahre vor der Geburt des jüngsten Kindes.

Im Jahr vor der Neuansiedelung – die Familie wohnt zu jenem Zeitpunkt noch auf dem Hof von Großvater Johann Dierk Oetken in Altmoorhausen – ist Tönjes Hinrichs zweitältester Bruder Johann Friedrich durch einen Grabensturz ums Leben gekommen. Mit den übrigen Geschwistern wächst Tönjes Hinrich in den folgenden Jahren auf. Noch vor seiner Einschulung in die Volksschule Lintel verliert er den Vater: Dierk Oetken stirbt im August 1830, wenige Wochen nach seinem 48. Geburtstag. Tönjes Hinrich wird, gerade einmal drei Jahre alt, zum Grunderben – die rechtliche Vertretung und die Führung des Hofes übernimmt seine Mutter als Vormund.

Wie Grete Oetken danach den Hof und ihre vier Kinder über die Runden bringt, liegt heute im Dunkeln. Auf jeden Fall aber tritt Tönjes Hinrich nach Schulabschluss und Konfirmation sein Erbe an und bleibt Eigentümer. Bis zu seinem eigenen, viel zu frühen Tod am 20. April 1847. Was genau ihm widerfährt, darüber gibt das in der Gemeinde Hude geführte Kirchenbuch keine Auskunft. Beigesetzt ist Tönjes Hinrich acht Tage später in Hude auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche.